LEUCHTEN

Antike Lampen, Lüster und Leuchter zählen zu den klassischen Objekten des Kunst- und Antiquitätenhandels und stossen in den letzten Jahren auf verstärktes Interesse unserer Kunden. Bei uns finden Sie eine grosse Bandbreite an italienischen, deutschen und französischen Lampen, Lüstern und Leuchtern der letzten zweihundert Jahre. Da viele von ihnen weniger als Sammelobjekt, sondern eher als Beleuchtungskörper erworben werden, sind sie im Katalogteil nach ihrer Funktion und Art der Aufstellung in die Bereiche Deckenleuchten, Wandappliken, Kerzen-, Klavierleuchter und Steh- und Tischlampen unterteilt.

Es gibt kaum ein wichtigeres Sinnbild in der Geschichte der Menschen und ihrer Mythen als das Licht. Licht ist erhellend und wärmend, eine elementare und allumfassende Lebensbedingung.

Es muss früher ein ganz anderes Leben gewesen sein, das sich in Räumen abspielte, die nach Sonnenuntergang (und auch unter Tag, da die Fenster oft wenig Licht hereinließen) nur noch punktuell von einzelnen Flammen - in vielen Bauernhäusern sogar nur vom Herdfeuer - erleuchtet waren. Die barocken Bilder mit künstlichen Lichtquellen in der Nachfolge des Caravaggio geben uns noch einen lebhaften Eindruck von der überwiegend in Dunkelheit gehüllten, nur stellenweise von einer flackernden Kerze erleuchteten Welt. Dafür war diese Beleuchtung ausdrucksstärker und tauchte den Raum in ein geheimnisvolles und alle darin befindlichen Objekte stärker modellierendes Licht.

 

Licht und Sonne standen schon immer für Gott und wurden als göttliche Erscheinungen betrachtet, nicht nur in Sonnenkulten, wie etwa denen des alten Ägyptens oder der Antike, sondern auch im Alten Testament („Fiat Lux“ – „Es werde Licht“, heißt es in der Bibel). Die Flamme als künstliches Licht besass reinigende und entsühnende Kraft, was sich besonders in Begräbnisriten zeigt, entweder bei der Leichenverbrennung oder bei der bis heute gepflegten Sitte, Totenlichter auf Friedhöfen aufzustellen. Und so wie das Licht für Leben steht, ist eine herab brennende oder abgebrannte Kerze ein Symbol der Vergänglichkeit und Sinnbild des Todes.

Für uns ist es heute selbstverständlich, dass künstliches Licht rund um die Uhr überall, sofort und bequem zur Verfügung steht. Wir können uns nur schwer vorstellen, dass die Menschen früher nach Sonnenuntergang überwiegend im Finsteren lebten. Vor allem in den Städten gibt es heutzutage praktisch keine wirkliche Dunkelheit mehr. Auf allen Straßen brennt die ganze Nacht über Licht. Die Schaufenster der Geschäfte sind erleuchtet und machen mit Leuchtwerbung auf sich aufmerksam.

 

Vor noch nicht allzulanger Zeit aber war künstliche Beleuchtung ein Luxus, der mit beträchtlichen Kosten verbunden war. So liegt der sparsame Umgang sowohl beim Heizen als auch bei der Beleuchtung vor allem den Älteren von uns immer noch so »im Blut«, dass wir zwar für alles Mögliche und Unmögliche große Summen ausgeben, aber niemals in einem gerade nicht benutzten Raum das Licht »unnötig« brennen lassen. (Dennoch gehen bei uns immerhin 8 Prozent des elektrischen Energiebedarfs auf das Konto der Beleuchtung.)

Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts behalfen sich die meisten Menschen mit Kienspänen, Talgkerzen und relativ simplen Öllampen. Kerzen aus Bienenwachs stellten eine Kostbarkeit dar, mit der man selbst in wohlhabenden Kreisen sparsam umging. Auch die schönen Lüster, die wir noch heute in Schlössern bewundern, waren eher Schmuck als wirkliche Lichtquellen; nur selten wurden sie angezündet. Wenn dann aber bei festlichen Anlässen die eleganten Säle in den Schein Dutzender, manchmal sogar Hunderter Kerzen getaucht waren, muss dieser Anblick für die Menschen überwältigend gewesen sein. Selbst für uns heute ist eine solche Kerzenbeleuchtung - etwa an Heiligabend in der Christmette - immer noch eindrucksvoll.

 

Erst Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Öllampe technisch weiterentwickelt, und man unternahm erste Versuche mit Gasbeleuchtung. Die entscheidende Revolution aber stellte die Beleuchtung mit elektrischem Strom dar. Sie erfolgte zuerst mittels Bogenlampen, später mit Glühlampen.

Um die Jahrhundertwende war elektrisches Licht für den Privathaushalt etwa viermal so teuer wie Petroleum- oder Gaslicht. Daher kehrten manche Kunden, die sich bei den E-Werken angemeldet hatten, nach Empfang der ersten Stromrechnung wieder zur Gasbeleuchtung zurück. Infolgedessen waren beispielsweise 1905 in Berlin nur 4 Prozent aller Wohnungen mit elektrischem Strom versorgt. Erst ab den 20er Jahren ersetzte die elektrische Beleuchtung auch in den Haushalten breiterer Bevölkerungsschichten die Gas- oder Petroleumbeleuchtung.

 

Mit der Industrialisierung entwickelte sich auch die Beleuchtung. Heute leben wir nicht mehr nach dem natürlichen Wechsel von hell dunkel, stehen nicht mehr mit den Hühnern auf und legen uns bei Sonnenuntergang ins Bett. Für unsere Arbeit spielt es kaum noch eine Rolle, ob wir sie bei Tag oder Nacht ausführen. Und in vielen Büros haben wir uns auch tagsüber an künstliches Licht gewöhnt.

 


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